Lifou in Neukaledonien


Vor einer Woche haben wir uns aufgemacht, um die mittlere und größte der Loyalitätsinseln, Lifou, zu entdecken. Um sechs Uhr morgens haben wir auf der Bético 2, der einzigen Passagierfähre hier vor Ort, eingecheckt, und begeistert entdeckt, dass es ein vergleichsweise günstiges Frühstücksangebot gibt. Die Einheimischen, mit denen wir uns den Tisch geteilt haben, haben uns direkt einige Tipps gegeben. Nach zwei Stunden Fahrt haben sie uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir nun besonders wellenreiche Gewässer erreichen, in denen um 1940 herum sogar einmal ein Schiff verschollen und nie wieder aufgetaucht sein soll. Ab diesem Zeitpunkt wurde es unschön. Wie ungefähr die Hälfte aller Fahrgäste habe ich mir das Frühstücksangebot direkt wieder durch den Kopf gehen lassen. Die Toilette wurde zum kollektiven Würgespot, in dem der Boden nur so glitschte. Später haben wir erfahren, dass die Bético 2 nicht umsonst den Spitznamen “Beurk” (Kotz) hat.

Schnick, Schnack, Schnuck …
Katze frisst Kartoffelchip! Katze gewinnt
Lifou hat uns mit schönem Wetter und einer tiefenentspannten Frau in der Touristeninformation empfangen. Busse? Jetzt nicht mehr, Navettes gibt es nur früh morgens. Unterkünfte vor Ort in Wé? Nein, alle ausgebucht. Autos? Alle vorgebucht wegen Hochzeiten. Wie wir dann vorgehen könnten? Na, Autostop! Wir haben daraufhin beschlossen, erst einmal einzukaufen. Vor dem Supermarkt haben wir dann zufällig eine der angeblich längst abgefahreren Navettes gefunden, die auch prompt in unsere Richtung fuhr und gerade noch zwei Plätze frei hatte. Der nette Fahrer hat mir unterwegs einiges über die Bräuche auf Lifou erzählt. Am Montag standen neun Hochzeiten an. Geheiratet wird nur in bestimmten Monaten im Jahr und nur Montags, die Feierlichkeiten beginnen allerdings schon eine Woche davor. Entsprechend war auch Pascal, der Besitzer von Lilorêve, dem ersten Campingplatz, den wir angesteuert haben, stark ins Hochzeitsfeiern involviert. Unserem Aufenthalt hat das aber keinen Abbruch getan. Lilorêve liegt direkt an einer felsigen Meeresküste, so dass wir hervorragend schwimmen und schnorcheln konnten. Außerdem gab es eine Menge Kokospalmen und -nüsse, die wir im teuren Neukaledonien als kostenlosen Snack für uns entdeckt haben. Abends haben wir gemeinsam mit zwei französischen Paaren und dem kleinen Nathanael gegrillt. Dabei haben wir den Tipp bekommen, das Aquarium Naturelle in der Baie de Jinek zu besuchen. Am nächsten Tag sind wir dort hin gewandert und konnten auf sandigen Pfaden zwischen Korallenwäldern so einige Meeresbewohner erschnorcheln. Dank Bernard und Marie kennen wir einige mit Namen, zum Beispiel den Lionfish und den Perroquet. Anderen haben wir einfach Namen gegeben, zum Beispiel haben wir den Theo-Waigel-Fisch und den Ameisenbärfisch entdeckt.

Voll am schnorcheln so
Am nächsten Tag haben wir den Süden der Insel angesteuert. Laut Pascal fahren am Sonntag gar keine Navettes, so dass er uns Autostop nahegelegt hat. Zu diesem Zweck hat er uns morgens um sieben sogar zur örtlichen Ausfahrtstraße gebracht und vorsorglich gewarnt, dass wegen der Hochzeiten bestimmt viele Betrunkene unterwegs seien. Die Betrunkenen haben wir zum Glück nicht angetroffen und das Fahren per Autostop lief so erfolgreich, dass wir schon eine Stunde später in unserem Zielort Luengöni angekommen sind. Hukekep war der erste Campingplatz, den wir gesucht haben. Direkt am Strand, allerdings auch direkt neben dem Friedhof, haben wir eine verwahrloste Anlage mit Toilettenruinen vorgefunden. Entsetzt sind wir wieder gegangen. Später haben wir herausgefunden, dass wir nur etwas weiter hätten gehen müssen: Hukekep liegt hinter einem längst aufgegebenen alten Campingplatz und sieht sehr nett aus! Statt dessen sind wir zu einer Anlage gegangen, die wir an der Straße gesehen hatten. Nachdem wir auch nach längerem Warten niemand angetroffen haben, bei dem wir uns hätten anmelden können, und die Toiletten für unbenutzbar empfunden haben, sind wir noch weiter zurück an den Ortseingang gewandert und bei Bella gelandet. Ihr Accueil en Tribu liegt zwar nicht direkt am Strand, hat aber einen schönen Garten und Bellas Persönlichkeit sucht ihresgleichen. Mit breitem Kreuz, strahlendem Lächeln und lauter Stimme tut sie alles, um ihren Gästen eine schöne Zeit zu bereiten.

Mit den Haustieren am Strand
Die erste Nacht waren wir Bellas einzige Gäste, am nächsten Tag sind aber weitere Gäste angereist. Bella hat die Gelegenheit genutzt, um uns gemeinsam mit dem französischen Paar Victor und Laurence zu einer Grotte im Wald zu führen. Nach einem rutschigen, steilen, engen und wirklich dunklen Abstieg konnten wir dort in einer mit Wasser gefüllten Tropfsteinhöhle schwimmen! Das Erlebnis war wirklich einmalig. Das Wasser war glasklar, kalt und tief. Bella hat uns mit wasserdichten Taschenlampen ausgestattet und so konnten wir zwischen Stalagtiten und Stalagmiten schnorcheln. Ohne einen ortskundigen Führer würde man diese Grotte übrigens nie finden, sie liegt ohne Ausschilderung einfach verborgen im Wald. Ein weiteres Highlight von Luengöni ist der weiße Strand mit türkisblauem Wasser. Kennt ihr das Cover des Lonely Planet vom Südpazifik? Das Foto ist eindeutig am Beach von Luengöni entstanden! Wir haben dort schöne Tage verbracht und eine Menge Einheimische kennengelernt, die irgendwie auch alle mit Bella verwandt waren. Immer treu begleitet wurden wir von Bellas Hunden. Auf fast jedem Campingplatz in Neukaledonien gibt es Hunde und/oder Katzen, die von den Campern gefüttert werden und ihnen dafür für die Zeit ihres Aufenthalts treu ergeben sind. Einige dieser Haustiere auf Zeit sind uns richtig ans Herz gewachsen! Am letzten Abend hat Bella noch für uns alle Bougna zubereitet. Bougna ist eine Art große Bratform, in der in Bananenblättern eine Art Auflauf mit Hühnchen, Kokosraspeln und Gemüsen aus dem Garten zubereitet wird.

Henrik auf Liege, neben Hütte
Am nächsten Morgen haben uns Victor und Laurence in ihrem Auto mit nach Wé genommen, wo wir zum Accueil en Tribu Chez Jeannette gegangen sind, der einzigen bezahlbaren Unterkunft vor Ort. Wir hatten gehofft, dort auch im Garten campen zu können. Diesen Zahn hat Jeannette uns aber direkt gezogen. Camping sei nicht bei ihr, sie habe nur noch eine Paillotte frei. Im Accueil en Tribu gibt es zwei Arten von Unterkünften, die Cases und die Pailottes. Beides sind palmwedelgedeckte Rundhäuser, das Case ist eine Art Schlafsaal ohne jeglichen Comfort und die Paillotte die noblere Variante, die man für sich allein hat. Mangels Alternativen haben wir Jeannettes Angebot angenommen und mit ca. 50 Euro unsere teuerste, aber auch unsere luxuriöseste Nacht in Neukaledonien verbracht. Nach dem Einchecken wollten wir uns den Wochenmarkt von Wé anschauen, den Bella uns empfohlen hat. Sie hatte uns schon vorgewarnt, dass bereits ab ca. acht Uhr morgens das meiste Obst und Gemüse ausverkauft sei. Als wir um ca. halb zehn dort aufgeschlagen sind, gab es auch wirklich nur noch quatschende Einheimische vor komplett leeren Tischen. Mit einem Besuch in der Apotheke habe ich mich auf die am nächsten Morgen anstehende Rückfahrt mit der Beurk vorbereitet, und, siehe da, das Frühstück ist diesmal dort geblieben, wo es hingehört. Jetzt sind wir wieder in der Auberge de Jeunesse in Nouméa und bereiten uns auf unseren Abflug nach Vanuatu vor. Wir versuchen, unsere Zeltausrüstung zu verkaufen, waschen Wäsche und genießen es, wieder richtig kochen zu können. Drei Wochen kaltes Dosenessen machen anspruchslos!

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