Essen bestellen mit Hindernissen

Die drei Frauen aus dem Garagenrestaurant
Zwei Posts an einem Tag ist eigentlich zu viel. Das Erlebnis, das wir heute Abend hatten, will ich aber aufschreiben solange es noch frisch ist. Wir laufen durch Tengchong (mehr zu Tengchong schreibe ich noch ein anderes mal) und suchen eine Wäscherei. Ein Tag in der Woche geht cirka dafür drauf, Sachen zu organisieren und unter anderem Wäsche zu waschen, bzw. waschen zu lassen. Das Hotel, in dem wir momentan sind, hat keinen Laundry Service, also müssen wir uns selber drum kümmern. Nachdem wir eine Wäscherei gefunden haben, gehen wir ein paar Schritte weiter, aus Neugierde, aus Langeweile und aus Hunger. Die Gegend in der wir hier sind, ist nicht gerade gesegnet mit Restaurants oder Garküchen. Wir sehen in einer Seitenstraße ein Schild mit Essensbildern. In Deutschland würden wir vermutlich eher nicht in ein Restaurant gehen, das sein Essen mit Bildern feil hält. Hier in China sind das unsere Lieblingsrestaurants. Das Essen ist eigentlich ziemlich gut und man bestellt in dem man drauf zeigt und Geräusche macht, die möglichst klar machen, ob man ein, zwei oder drei mal das Essen will.
Wir haben also dieses Schild gesehen, gehen hin und stehen dann prompt vor einer ziemlich großen Garage an dessen hinteren Ende ein paar Tische stehen. An den Seiten stehen einige Mofas rum. Alles ist für chinesische Verhältnisse ziemlich sauber. Gehen wir rein oder nicht? Die Leute sahen normal aus, das Essen roch gut und wir hatten Hunger. Wir gehen also rein und gucken so sparsam wie möglich, um den Leuten zu zeigen das wir angesprochen werden wollen. Aus der Küche nebenan kommen direkt 3 Frauen raus mit einem Lächeln auf dem Gesicht und quatschen uns auf chinesisch an. Man muss dazu sagen, das Carla mit ihren blonden Haaren und ich mit meiner Größe und unserem generellen, offensichtlich europäischen Aussehen hier in Tengchong eine ziemlich Sensation sind. Wir haben hier auch noch keine anderen europäisch aussehenden Leute gesehen. Man muss sich das ähnlich vorstellen, wie wenn in Deutschland ein Zirkus durch eine Kleinstadt zieht. So eine Aufmerksamkeit bekommen wir hier, inklusive Glotzen und Fotos machen. Die Aufmerksamkeit ist zum Glück freundlich und nicht so das die Kinder von den Strassen geholt werden wenn wir vorbeigehen.
Nichts davon kennen wir und alles ist lecker
Wir stehen also in der Garage. Auf der einen Seite die chinesischen Köchinnen, die kein Wort Englisch sprechen, auf der anderen Seite Carla und ich, die kein Wort chinesisch sprechen. Wir sind uns sympathisch und wir finden die Situation alle ziemlich komisch. Wir weil wir keine Ahnung haben, wie wir uns verständlich machen können und die Frauen weil es so aussergewöhnlich ist das gerade in deren Garage so exotische Leute auftauchen. Wir zeigen auf einiges Gemüse, das in einem Kühlschrank liegt, machen Zeichen, dass wir essen wollen. Die Frauen machen alle möglichen Zeichen, die wir nicht verstehen, und reden weiter auf chinesisch weiter. Diesmal mit anderen Worten, das können wir hören. Diesmal also nicht lauter oder langsamer reden, sondern das Gleiche mit anderen Worten sagen. Ein Klassiker! Wir bekommen zum Schluss ein total leckeres Essen mit dem Gemüse auf das wir gezeigt haben. Ausserdem bringen uns die Köchinnen immer wieder kleine Kleinigkeiten, die wie wir vermuten Spezialitäten der Region sind. Sauer und scharf eingelegter Rettich mit Möhre und unter anderem den abgefahrensten Tofu den es auf Erden gibt. Jedes kleine Minihäppchen von dem eingelegten und ich glaube auch leicht fermentierten Tofu führt zu immer neuen Geschmacksexplosionen im Mund. Dazu der leckere Pu’er Tee … Ne watt lecker.
Danach gehen wir mit viel Lachen und Freude ausseinander. Sowohl wir, als auch die Frauen haben einen Abend gehabt, den wir wohl nicht so schnell vergessen werden.



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